Kielkunst Fotografie

Kontakt

Wie schön, dass du dich für meine Arbeiten interessierst. Ich möchte mich hier kurz vorstellen, in dem ich Dir ein paar Gedanken über meine Sicht zum Thema Fotografie mit auf den Weg gebe. Es geht dabei zum einen um Spezialisierung in der Fotografie und zum anderen darum, welche Wichtigkeit es für mich hat, ob ein Bild realistisch genau das wieder gibt, was wirklich war.

 

    Mein Portfolio

 

Wie du vielleicht schon gesehen hast, lege ich mich nicht auf einen bestimmten Bereich der Fotografie fest. Ich schätze die Möglichkeit, immer wieder unterschiedliche Aspekte der Fotografie zu entdecken. Bei der detailliert durchgeplanten Makrofotografie zum Beispiel spielt Technik eine sehr große Rolle. Ein programmierbarer Makroschlitten verschiebt das Lupenobjektiv nur einen hundertstel Millimeter weiter und macht ein Bild. Dann wieder ein Stück weiter, das nächste Bild. So entstehen hunderte Einzelbilder, die mit einer Stacking genannten Methode zu einem Bild mit ungeahnter Tiefenschärfe zusammengesetzt wird.

Da hier nur ein sehr kleiner Bereich ausgeleuchtet werden muss, ist die Lichtsetzung mit relativ einfachen Mitteln umsetzbar. Ganz anders ist es bei der Aufnahme von Tänzern auf der großen Bühne. Neben einer kurzen Belichtungszeit ist die Lichtsetzung ein entscheidender Faktor. Zwar ist hier ein sehr lichtstarkes Objektiv von unschätzbarem Vorteil, aber in diesem Metier spielt die Technik für mich als Fotograf eine eher untergeordnete Rolle - vorausgesetzt, es ist ein Beleuchter vor Ort, der sich mit der Lichttechnik auskennt ;-).

Es geht hier eher darum, dass man als Fotografierender wissen sollte, was man will. Da ist ein "...mach den Arm doch bitte..." oder "...etwas freundlicher..." eher nicht das passende. Hier hilft es, wenn man den TänzerInnen sagen kann "Hände in Position 1, Beine Arabesque, bitte". Denn es geht hier nicht um das Posing im klassischen Sinn, sondern darum, Szenen im richtigen Moment einzufangen. Meiner Erfahrung nach braucht man, um hier zu guten Ergebnissen zu kommen, viel Übung, geduldige TänzerInnen und das Wissen, was einen guten Sprung ausmacht. 

Genauso wie bei Porträtaufnahmen ist hier natürlich auch das aufgebaute Vertrauensverhältnis zu den Fotografierten wirklich wichtig, um ein richtig gutes Bild zu bekommen.

Bei der Reisefotografie stehen wieder ganz andere Aspekte im Vordergrund. Hier ist es für mich der Reiz des Neuen, der den Bereich so spannend macht. Mit einem schweren Rucksack auf dem Rücken, nach drei Stunden Aufstieg diese Aussicht festhalten zu können, ist schon etwas ganz Besonderes.

 

    Und dann...

 

...höre ich ständig, dass sich alle richtigen Fotografen auf einen Bereich der Fotografie konzentrieren (sollten). Nur dann werde man richtig gut. Da heißt es dann immer "Nicht alles nur ein bisschen, lieber ein Bereich durch und durch".

Zweifelsohne ist es für Menschen, die ihr Geld mit der Fotografie verdienen (möchten / müssen) legitim, wenn sie einem potentiellen Kunden den Eindruck vermitteln, dass durch Spezialisierung bessere Bilder entstehen. Nach dem Motto "Ich mache nur genau das, was Sie suchen. Und da ich das nun schon Jahre lang mache, sollte ich wohl wissen, was ich mache. Sehen Sie hier: ..." - das ist aus meiner Sicht ein probates Mittel der Kundengewinnung.

Nun bin ich in der glücklichen Situation, dass ich mein Geld nicht mit der Fotografie verdienen muss. Ich habe nicht die Notwendigkeit meine Kompetenz mit Beschränkung hervorheben zu müssen. Ich muss keine Kunden gewinnen. Ich möchte Menschen für meine Bilder begeistern - einfach so. Begeistern in dem Sinne, dass ich meine Begeisterung über meine Bilder teilen möchte.

Für mich ist es genauso - wenn auch ganz anders - aufregend, erfüllend und anspruchsvoll, einen scheuen Schmetterling in Nahaufnahme, den ersten Schnee des Jahres in Neuseelands Alpen und die Kunstwerke der Weltmeister beim Bodypainting in Szene zu setzen.

 

    Realismus?

 

Eine Gemeinsamkeit haben all meine Bilder dann doch: Keines der gezeigten Bilder dient der Dokumentation.

Ich erhebe nicht den Anspruch, dass meine Fotos realistisch sein sollen. Ziel meiner Bilder ist es, dass sie beim Betrachter Emotionen hervorrufen. Dabei ist es für mich völlig unerheblich, ob das Bild, welches die Kameraelektronik durch das auf den Sensor fallende Licht berechnet, dem fertigen Bild entspricht.

Es geht schon damit los, dass die Kamera für die Berechnung des Bildes immer Durchschnittswerte verwendet. Sie „weiß“ ja nicht, was der Fotograf möchte. Und selbst, wenn ich nur das von mir „gesehene“ Bild reproduzieren möchte, will ich zeigen, an was ich mich erinnere - und das kann sich durchaus von dem unterscheiden, was mir die Kamera in ihrer Standardeinstellung bietet.

Interessanterweise höre ich oft „da hast du also gepfuscht“, wenn ich den Herstellungsprozess beschreibe. Jedoch käme niemand auf die Idee, dass Claude Monet bei The Summer gepfuscht hätte, weil er einen Ast im Vordergrund der Naturaufnahme nicht mitgemalt hätte. Ein Bild auch bzw. gerade durch Hinzufügen, Entfernen oder Verändern von Teilen des Bildes zu gestalten, ist für mich ein ebenso kreativer Prozess, wie die Planung und Durchführung der Aufnahme selbst. 

Soweit zu mir. Und was denkst du? Deine Meinung interessiert mich. Ich freue mich über deine Rückmeldung.

Kreative Grüße
Ulrich